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„Die Fans sind das Elixier, weshalb alles funktioniert“: HAKRO Merlins Geschäftsführer Lukas Lienert im Interview
Die HAKRO Merlins Crailsheim blicken auf einen Sommer voller Highlights zurück – sportlich wie auch abseits des Parketts. Mit der Eröffnung der WUNDERBAR hat der Klub ein echtes Herzensprojekt realisiert, das bereits Kultstatus genießt. Gleichzeitig wächst das Sponsoring-Netzwerk stetig und die Nachfrage nach Dauerkarten ist überwältigend. Geschäftsführer Lukas Lienert spricht im Interview über Stolz, Stabilität und die Vision für die Zukunft.

Crailsheim, 22.08.2025.
Lukas, im Sommer hat sich bei den HAKRO Merlins neben intensiver Kaderplanung auch abseits des Parketts einiges getan. Vor wenigen Monaten habt ihr beispielsweise mit der WUNDERBAR als erster Basketballverein in Deutschland eine eigene Bar eröffnet. Was bedeutet dieses Projekt für den Verein?
Lukas Lienert: „Das macht uns unheimlich stolz und ist ein echtes Herzensprojekt. Damit haben wir etwas Besonderes geschaffen und es hat schon etwas Kultstatus, als erster Basketballverein Deutschlands eine eigene Kneipe zu haben. Mich macht sehr glücklich, wie die WUNDERBAR ankommt. Es ist immer viel los, das „Look-and-Feel“ begeistert die Menschen, das Matcha-Angebot, die Avocado-Brote und der Mittagstisch werden sensationell angenommen. Wir wollten bewusst eine neue Zielgruppe ansprechen und etwas Großstadtflair nach Crailsheim bringen. Das Konzept ging komplett auf und ich freue mich auf alles, was noch kommt. Zuletzt fand in der WUNDERBAR eine 18. Geburtstagsfeier statt, es wird Weinabende, Adventskranzbinden, Partys, aber auch Merlins-Veranstaltungen wie Public-Viewing oder Fantalks geben. Es ist ein Treffpunkt für jeden, ob Merlins-Fan oder nicht.“
Auch im Sponsoring-Bereich gibt es Bewegung. Neben den zahlreichen langjährigen Sponsoren haben die Merlins zuletzt mehrere neue Partner vorgestellt.
Lukas Lienert: „In diesem Bereich sind wir sehr stabil aufgestellt. Wir konnten nach dem Abstieg aus der BBL unser Budget halten. Jetzt, nach einem Jahr in der ProA, konnten wir es sogar ausbauen. Wir sind wirtschaftlich unabhängig von der ersten oder zweiten Liga und darauf unheimlich stolz. Insgesamt haben wir 130 Partner an unserer Seite. Das Umfeld versprüht in der zweiten Liga genauso viel gute Laune wie in der BBL. Das Gute ist: Alle haben Bock, wieder aufzusteigen. Wir müssen nicht, aber wir wollen. Wir haben in den letzten drei Monaten acht neue Partner für uns gewonnen. Nicht nur aus Crailsheim, vielmehr agieren wir mittlerweile in einem Umkreis von 50 bis 60 Kilometern. Schwäbisch Hall, Schopfloch, Ansbach, Schnelldorf, Ellwangen – der Umkreis wird immer größer.“
Wie ist der aktuelle Stand zum Thema Trikotsponsoring? Hosta bleibt als Partner erhalten, aber die Fläche auf der Vorderseite des Trikots ist noch frei.
Lukas Lienert: „Dass Hosta die Fläche auf dem Trikot nicht mehr belegt, ist natürlich die größte Änderung in diesem Bereich. Wir sind Hosta rückblickend sehr dankbar für die gemeinsame Entwicklung, die wir genommen haben. Nun gibt es uns Flexibilität und die Chance für einen neuen Partner, der in den sechsstelligen Sponsoringbereich eintreten möchte. Stand jetzt ist die Trikotvorderseite nicht extern vermarktet. Uns ist wichtig, dafür den richtigen Partner zu finden und wir verspüren auch keinen Druck, kurzfristig handeln zu müssen und die präsenteste Werbefläche unter Marktwert zu verkaufen. Aktuell wird unsere Eigenmarke, die WUNDERBAR, die Trikotvorderseite zieren. Dort haben wir schon viele Marketing-Ideen, den Kultstatus deutschlandweit zu verbreiten. So schließt sich gewissermaßen der Kreis. Die ersten 15 Jahre in der Merlins-Geschichte bestanden nur aus Partys. Das hat den Verein geprägt und zu dem gemacht, was er heute ist. Und in der Jubiläumssaison tragen wir bei einem großartigen neuen Trikot unsere eigene Bar auf der Vorderseite.“
Entwicklungen im Sponsoring beeinflussen natürlich auch immer den Gesamt- und Spieler-Etat. Wie hat sich das Budget im Vergleich zur vergangenen Saison entwickelt?
Lukas Lienert: „Den Gesamtetat konnten wir stabilisieren und sogar einen Tick ausbauen. Beim Spielerbudget, worauf der Hauptfokus liegt, konnten wir im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt des letzten Jahres auch ein bisschen was drauflegen. Also auch neben den ganzen Projekten, die wir am Laufen haben, steigt unser Spieleretat leicht an. Das ist unser Kerngeschäft und deshalb ist es wichtig, dass wir in dem Bereich die nächsten Schritte gehen.“
Seit einigen Tagen sind die Dauerkarten für die Saison 2025/26 erhältlich. Mit einer Verlängerungsquote von 97 Prozent und über 1.600 Dauerkarten scheint die Nachfrage enorm. Wie ordnest du diese Zahlen ein?
Lukas Lienert: „Das ist schlichtweg der Wahnsinn. Das ist so positiv, darauf kann man einfach nur stolz sein. Wir gehen jetzt nach dem Abstieg in das zweite ProA-Jahr und dennoch wächst alles. Menschen begeistern, unabhängig von der Ligazugehörigkeit, das ist genau das, was wir ausstrahlen wollen. Es geht darum, was in der Arena Hohenlohe abgeht. Und da geht einiges ab! Oder schaut man sich die Auswärtsspiele im letzten Jahr an, das ist einfach nur brutal. 800 Fans in Kirchheim, 500 in Nürnberg, 300 in Tübingen, Karlsruhe und so weiter. So eine Masse hatten wir noch nie, auch nicht in der Bundesliga. Deshalb freue ich mich unfassbar darauf, dass noch mehr Menschen Bock darauf haben, Teil davon zu sein. Innerhalb der ersten 24 Stunden nach Verkaufsstart wurden 64 neue Dauerkarten bestellt, also von Menschen, die bislang noch keine hatten. Und das, nachdem zuvor bereits knapp 1.600 Saisonkarten verlängert wurden. Das sind enorme Werte. Diese Menschen, die tagtäglich Bock auf unsere Spiele, auf die Events wie zuletzt unsere Saisoneröffnung haben, sind das Elixier und der Grund, weshalb das alles funktioniert.“
Auch die Arena Hohenlohe steht im Fokus. Aktuell wird die SCHUBERT-Lounge, also der VIP-Raum, erweitert. Was hat es damit auf sich?
Lukas Lienert: „Dafür gibt es drei zentrale Punkte. Erstens der Fakt, dass wir in den nächsten Jahren realistisch gesehen in der Arena Hohenlohe spielen werden. Das heißt, es geht um Wachstum und um die Frage, wo wir wachsen müssen. Und das ist im VIP-Raum, in der SCHUBERT-Lounge, die aktuell restlos ausvermarkt ist. Im zweiten Punkt geht es darum, die Qualität zu erhöhen. Es war zum Schluss schon recht kuschelig und wir wollen die Qualität für die bestehenden Partner in der SCHUBERT-Lounge erhöhen und das Ganze komfortabler machen. Drittens ist es wichtig, wieder Wachstumsmöglichkeiten zu haben, um neue Partner zu emotionalisieren und an uns zu binden. Dabei hat die SCHUBERT-Lounge eine enorm wichtige Bedeutung.“
Bedeutet das, dass erstmal keine neue Spielstätte für die HAKRO Merlins in Aussicht steht?
Lukas Lienert: „Das ist total unabhängig davon. Wir müssen einfach realistisch planen. Eine neue Halle ist ein sehr großes Projekt, welches nicht in zwei oder drei Jahren realisierbar ist. Im Hintergrund laufen extrem viele Gespräche und ich glaube fest daran, dass dort etwas passieren wird. Wir müssen aber geduldig bleiben. Deshalb gehen wir vom Status Quo aus und konzentrieren uns auf die Dinge, die wir aktuell beeinflussen können. Und das ist die Arena Hohenlohe und die Wachstumsmöglichkeit in der Halle.“
Gestern wurden die Preise für Sporteurope.TV, ehemals Sportdeutschland.TV, bekanntgegeben. Im vergangenen Jahr konnten Fans die Spiele der Merlins noch kostenfrei verfolgen, nun sind die Kosten deutlich gestiegen. Wie beurteilst du diese Entwicklung für die Liga und speziell für die Merlins-Anhänger?
Lukas Lienert: „Ich sehe das ehrlich gesagt mit gemischten Gefühlen. Ganz wichtig ist die Weiterentwicklung im Basketball. Dazu braucht es ein professionelles TV-Setup. Ist das immer kostenlos? Aus meiner Sicht auf keinen Fall, weil Weiterentwicklung vor allem durch Pay-TV passiert. Noch wichtiger als die Weiterentwicklung ist das Wie. Und das ist für mich jetzt kein Fortschritt. Wir haben mit Sporteurope.TV den gleichen Status wie zuvor. Jeder Verein produziert seinen Livestream, die meisten davon sind auf einem guten Level, aber wir werden dort keinen Fortschritt machen. Und das ist so ein bisschen die Ernüchterung in dem ganzen Paket. Du hast den gleichen Status Quo, nur musst du jetzt dafür bezahlen. Auch der Preis an sich ist jetzt kein „no-brainer“. Ich wünsche mir natürlich, dass die Fans diesen Weg irgendwie mitgehen, um den Basketball zu unterstützen. Aber Fakt ist auch, dass es innerhalb der Liga und Vereine verschiedene Interessen und Ansprüche gibt. Ich glaube daran, dass es das Beste ist, die Nationalmannschaft, die erste Bundesliga und die zweite Liga auf einer Plattform zu zeigen – im besten Fall noch die europäischen Wettbewerbe – um Synergien zu entwickeln. Deshalb sehe ich das als verpasste Chance. Wir haben jetzt eine Europameisterschaft vor uns. Zum ersten Mal werden alle deutschen Spiele live im Free-TV übertragen. Das ist der Wahnsinn, das freut mich ungemein. Das Interesse ist also vorhanden. Wir müssen nur schauen, dass wir die richtigen Gespräche führen und die Vereine und Ligen die richtigen Entscheidungen treffen. Und damit meine ich die richtige Entscheidung im Sinne der Fans. Sie sind das Elixier, weshalb wir das alles machen und den Basketball lieben.“



